Erklärung von Epilepsieformen

   An Epilepsie erkrankte Menschen sind, wenn keine zusätzlichen Behinderungen hinzukommen, in der Regel nur durch die Symptome eingeschränkt, die während des Anfalls auftreten. Wenn die heute zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten umfassend genutzt werden und eine optimalen Einstellung durch Medikamente erfolgt, können bis zu 80 Prozent aller an Epilepsie erkrankten Menschen zuverlässig anfallsfrei werden. Dann besitzen sie grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten hinsichtlich der Berufswahl wie Gesunde. Gravierende Einschränkungen ergeben sich jedoch im Einzelfall bei einer Kombination mit anderen Behinderungen, bei einer nicht optimalen medikamentösen Behandlung und bei sozialen und seelischen Auswirkungen der familiären und schulischen Sozialisation.   

 

Beschreibung

Epilepsie und "Gelegenheitsanfälle": Die typische Erscheinungsform einer Epilepsie ist der Anfall, ausgelöst durch eine Funktionsstörung des Gehirns (exzessive Entladung von Neuronen). Das Auftreten eines Anfalls oder einzelner Anfälle bedeutet jedoch noch nicht, dass der Betroffene an einer Epilepsie erkrankt ist. Bei etwa jedem 20. Menschen (5 % der Bevölkerung) kommt es einmal oder wenige Male im Laufe des Lebens zu einem epileptischen Anfall. Wenn eine auslösende Situation vorgelegen hat (z.B. eine schwere Infektion, Alkoholentzug etc.) und sich Anfälle nicht unprovoziert wiederholen, spricht man nicht von Epilepsie, sondern von einer akuten epileptischen Reaktion oder von "Gelegenheitsanfällen". Bei etwa einem Prozent der Bevölkerung kommt es aber auch spontan - ohne eine auslösende Situation - immer wieder zum Auftreten epileptischer Anfälle. Nur bei dieser Personengruppe liegt eine Epilepsie vor. Etwa 50 Prozent aller Epilepsien treten bereits vor dem 10. Lebensjahr auf, etwa zwei Drittel bis zum 20. Lebensjahr.

Einteilung der Epilepsie formen: Das Krankheitsbild der Epilepsie ist nicht einheitlich, je nach der zugrundeliegenden Erkrankung, dem Anfallsursprung im Gehirn, den EEG-Befunden (Elektroenzephalographie), den auftretenden Anfalls formen und deren Verlauf werden die unterschiedlichen Erkrankungsformen in verschiedene epileptische Syndrome und Epilepsien unterteilt. Das heute gebräuchlichste und beste Klassifikationsschema - nach dem Vorschlag der Internationalen Liga gegen Epilepsie - unterscheidet nach folgenden Gesichtspunkten:

fokale (lokale, partielle) Epilepsien - die epileptische Aktivität geht von einem umschriebenen Ort im Gehirn aus, sie kann dort begrenzt bleiben oder sich auf weitere Hirngebiete ausbreiten;

generalisierte Epilepsien - die epileptische Aktivität tritt vom Beginn des Anfalls an im gesamten Gehirn auf;

gemischt generalisierte und fokale Epilepsien;

idiopathische Epilepsien - auch unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden Untersuchungsmöglichkeiten ist keine hirnorganische Ursache für die Epilepsie nachweisbar;

symptomatische Epilepsien - eine Schädigung des Gehirns als Ursache für die Epilepsie ist nachweisbar;

kryptogene Epilepsien - eine zugrunde liegende Hirnschädigung wird aufgrund begleitender Behinderungen vermutet, kann aber (bisher) nicht nachgewiesen werden.

Außerdem wird immer die auftretende Anfalls Form benannt, wobei der den meisten Menschen bekannte große Anfall (Grand mal) mit Bewusstlosigkeit, Sturz und Zuckungen bei weitem nicht die häufigste Anfalls Form ist. Wesentlich häufiger sind sogenannte kleine Anfalls formen, zum Beispiel:  

Absencen mit einer Sekunden dauernden Bewusstseins pause ohne weitere Symptome,

einfach fokale Anfälle mit motorischen oder sensiblen Symptomen, die ein Körperteil oder einzelne Körperteile betreffen und ohne Bewusstseinsstörung auftreten, oder komplex fokale Anfälle mit automatischen Bewegungen und mehr oder weniger eingeschränktem Bewusstsein.

Mögliche Begleiterscheinungen: Insbesondere bei fokalen Epilepsien finden sich nicht selten zusätzliche Störungen, die auf eine Zugrundeliegende Hirnschädigung zurückzuführen sind. Hierzu gehören:

motorische Störungen, etwa im Sinne einer spastischen Parese (Muskelschwäche) unterschiedlichen Ausmaßes;

psychomotorische Störungen wie Störungen der Auge-Hand-Koordination;

neuropsychologische Defizite, zum Beispiel Störungen der verbalen oder optischen Merkfähigkeit oder des Gedächtnisses;

hirnorganische Psychosyndrome, zum Beispiel Schwächen in der Planungsfähigkeit oder affektiven Steuerungsfähigkeit.

 Diese Störungen müssen, sofern sie vorhanden sind, berücksichtigt werden; sie dürfen aber keinesfalls allein aufgrund der Diagnose einer Epilepsie als gegeben angenommen werden. Insbesondere Personen mit generalisierten Epilepsien weisen solche Störungen in der Regel nicht auf.

Soziale und seelische Auswirkungen: Für die meisten Familien bedeutet die Tatsache, ein epilepsiekrankes Kind zu haben, eine starke Belastung. Es kommt immer wieder zu familiären Krisen, zu ungünstigen Reaktionen auf die Behinderung im Sinne von allzu großen Einschränkungen, überbehütender oder überfordernder Erziehung, aber auch zu negativen Erfahrungen in Kindergarten, Schule oder in anderen sozialen Zusammenhängen. Zum Teil erleben epilepsie kranke Kinder und Jugendliche häufige Schulwechsel, Beziehungsabbrüche oder misslungene Ausbildungsversuche. Seelische Probleme sowie Verhaltensstörungen und verzögerte Reifung können die Folge sein. Unabhängig von der Art und Schwere der Epilepsie kann es deshalb zu folgenden Auswirkungen kommen:

übermäßige Selbstunsicherheit, wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, unrealistische Selbsteinschätzung;

mangelnde Übung im sozialen Umgang, geringe eigene Entscheidungsfähigkeit, Unreife;

Überbewertung von Krankheit, Psychosomatosen (Psychosomatische Erkrankungen), depressive Symptome;

Auflehnung gegen die Erkrankung, Bagatellisieren von Risiken, fehlende Krankheitseinsicht;

Stimmungsschwankungen, geringe affektive Kontrolle.

Solche Störungen stellen zum Teil ein größeres Hindernis bei der beruflichen Eingliederung dar als die Epilepsie selbst. Wie bei hirnorganischen Störungen treten sie aber nicht grundsätzlich bei allen betroffenen Personen auf, und vor allem sind sie nicht als zwangsläufige Folge der Epilepsie (etwa im Sinne einer "Wesensänderung") zu betrachten. Bei geeigneter Behandlung können die genannten Störungen gemindert oder abgebaut werden. Wesentlich sinnvoller erscheint es natürlich, durch geeignete, frühzeitig einsetzende Maßnahmen das Auftreten seelischer Störungen zu verhindern.

Qualität der medikamentösen Behandlung: Je nach Qualität der Behandlung kann auch die medikamentöse Therapie einer Epilepsie eine zusätzliche Behinderung nach sich ziehen. Bei einer angemessenen Behandlung sollten keine Einschränkungen durch die Medikamente auftreten, man kann aber nicht davon ausgehen, dass die Behandlung in jedem Falle optimal ist. Insbesondere bei Kombinationen mehrerer Medikamente oder bei besonders hoher Dosierung können folgende Störungen auftreten:

Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel;

Zittrigkeit, feinmotorische Störungen, Verlangsamung;

Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit;

Verhaltensstörungen, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Depressivität;

Appetitstörungen mit Gewichtsabnahme oder -zunahme, Übelkeit, Verdauungsstörungen.

Wenn Überdosierungserscheinungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten selbst zur Behinderung werden, sollte die medikamentöse Behandlung in jedem Falle überprüft werden, bevor möglicherweise von einem sonst gut geeigneten Beruf abgeraten oder das Scheitern in einer Berufsausbildung riskiert wird.

Kombination mit anderen Behinderungen: Ist eine Epilepsie mit schweren anderen Behinderungen kombiniert (z.B. erhebliche Körperbehinderung, geistige Behinderung oder psychische Behinderung), dann steht hinsichtlich der Berufswahl in der Regel die Mehrfachbehinderung im Vordergrund und bestimmt den weiteren Entscheidungsprozeß.

Berufswahl

Einschätzung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit: Die schulische Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Epilepsie verläuft häufig nicht optimal. Allzu oft werden epilepsie kranke Kinder an Schulen für Lernbehinderte geschult,& hätten eine normale Schulweg einschlagen können.

 

Psychosoziales

Obwohl viele Menschen mit Epilepsie durch
medikamentöse Behandlung kaum noch Anfälle
haben, können die Beeinträchtigungen groß
sein. Es kann sich hierbei um objektiv
vorhandene Beeinträchtigungen handeln, wie
Medikamentennebenwirkungen. Es kommen jedoch
psychologische Faktoren hinzu. Einen
Grand-mal-Anfall in der Öffentlichkeit oder
am Arbeitsplatz gehabt zu haben, ist
unangenehm. Epilepsie unterscheidet sich von
anderen „Volkskrankheiten“ wie Diabetes
dadurch, dass ihr ein Stigma anhaftet. Dies
kann subjektiv immer noch der Fall sein, wenn
sich auch die Einstellung in der Bevölkerung
verbessert hat. Der Informationsstand ist
jedoch, bedingt dadurch, dass Epilepsie in
den Medien praktisch nicht präsent ist, immer
noch unzureichend. Der Arbeitslosenanteil
unter den Menschen mit Epilepsie ist
überproportional hoch, selbst unter den
Menschen mit Behinderungen allgemein. Dieser
hohe Anteil ist nicht allein mit objektiv
vorhandenen Leistungsverminderungen zu
erklären.

Das Spektrum der Erkrankung ist jedoch groß,
es reicht von Formen mit guter Prognose und
wenigen Anfällen bis zu Formen mit hoher
Anfallsfrequenz und eintretenden
Gehirnschädigungen. Auch wenn Menschen mit
Epilepsie in etlichen Lebensbereichen heute
noch auf Schwierigkeiten stoßen, führen sie
meist ein relativ normales Leben

 http://behinderung.org/gesetze/schwbg.htm

 

 

 

 

 


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