Eine kleine Geschichte der Psychiatrie

                    

 

 

Eine kleine Geschichte der Psychiatrie

Lassen Sie uns einen kurzen Blick in die Geschichte der Psychiatrie tun.

Warum?

Weil Epileptiker auch zu den psychisch Kranken gezählt werden und weil sie die Irrungen und Wirrungen der vergangenen Jahrhunderte, ja Jahrtausende leidvoll miterlebt haben.

 

In der Antike und in vielen Naturreligionen wurden Epileptiker (Fallsüchtige) als Heilige verehrt, ja sie wurden als von Gott Geliebte betrachtet.
Aber leider, so sollte es nicht bleiben.

 

Den Beginn der „Psychiatrie“ kann man vielleicht ansetzen mit dem berühmten griechischen Naturphilosophen Asklepios, der im 7. vorchristlichen Jahrhundert lebte. Er vertrat die Ansicht von der unsterblichen Seele und schlug für psychisch Kranke Kuren, Diäten und Schlafbehandlungen mit Traumdeutungen in Tempeln vor. http://de.wikipedia.org/wiki/Asklepios

Hippokrates (460 –370 v. Chr.)http://de.wikipedia.org/wiki/Hippokrates schrieb rund 60 medizinische Abhandlungen und meinte, dass Krankheiten natürliche Ursachen hätten und das Gehirn das Zentrum der geistig-seelischen Tätigkeit sei. Er beschreibt gut Depressionen, Wahnvorstellungen, Betrunkenheit und Delirien

Soweit so gut, aber um die Zeitenwende kam es zum ersten Umschwung:

 A.C. Celsius (25 v. –50 n. Chr.)http://de.wikipedia.org/wiki/Aulus_Cornelius_Celsus empfiehlt als Therapie bei „Verrückten“ das Auspeitschen, das Untertauchen, Fesselungen und sogar die Folter -  ob diese Methoden etwas genützt haben?

 

Die Geschichte der Medizin und ganz besonders der Psychiatrie im Mittelalter, also im 6. – 14. Jahrhundert ist dann geprägt von einem Niedergang der ärztlichen Kompetenz. Man war z.B. der Auffassung, dass psychisch Kranke „von unreinem Geistern Besessene“ seien. Die einzige einigermaßen sinnvolle und menschliche Pflege konnten Kranke damals in den Klöstern erhalten – und auch da waren einige recht seltsame Methoden der Behandlung psychisch Kranker vorzufinden: so ist z.B. von Kastrierungen die Rede. Ansonsten kannte man bei psychisch Kranken nur Gebete, Fasten und Pilgerfahrten als Therapie. Oberstes und vorrangiges Ziel war immer die Rettung der Seele, nicht die Heilung der Krankheit. Eine leuchtende Ausnahme in dieser Zeit war die Benediktinerin Hildegard von Bingen  (1098 - 1179).http://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_von_Bingen Sie erkannte als erste die  Zusammenhänge zwischen Affekten und sexuellen Abreaktionen.

 

Als Einrichtung für „Irre bzw. Narren“, wie man sie nannte werden ab dem 12. Jahrhundert belegt: Tobhäuser, Narrenhäuser und Tollhäuser.

Diese Einrichtungen waren zu dieser Zeit nicht nur für die psychisch Kranken. Sie dienten außerdem "dem armen, elenden, tollenden & rasenden Menschen."Oft kam es sogar vor das dort Fremde & Reisende zeitweise untergebracht wurden. Viele Tollhäuser mussten in Zeiten von Epidemien auch Pestkranke aufnehmen. Von einer psychiatrischen Behandlung konnte zu dieser Zeit noch nicht die Rede sein! Die Geisteskranken bzw. die ,die man für geisteskrank hielt , verbrachten  Ihre Tage zum größten Teil in den Tollhäusern, wo sie wegen ihrer Aggressionen & ihrer Unruhe isoliert wurden. Ein "Arzt" wie wir Ihn heute kennen, gab es zu dieser zeit nicht, & wenn ein Arzt dieser Zeit gebraucht bzw gerufen wurde, dann nur für körperliche Leiden-der Geisteskranken& bei Pestkranken. Krankenhäuser weigerten sich, Geistestkranke, Leprakranke & andere schwer Kranke aufzunehmen. Für diese Menschen gab es nur die Tollhäuser. Diese Tollhäuser waren meist über die ganze Stadt verteilt. Bei öffentlichen Gebäuden, wie z.b.dem Stadttor oder dem Gasthaus, gab es außerdem Käfige in denen die Geisteskranken eingesperrt wurden, & der Öffentlichkeit zur Volksbelustigung zur Schau gestellt wurden. Gegen Bezahlung konnte man die eingesperrten Menschen ansehen. Sie lebten wie Gefangene in den Tollhäusern&Käfigen.Sie lagen angekettet auf den Fussboden & nur dann & wann wurde Ihnen etwas Nahrung zugeschoben. Sie führten ein Menschen unwürdiges leben.

 Das waren Orte des Schreckens und der Grausamkeit, ja man steckte psychisch Kranke in Gefängnisse und Verliese, wo sie angekettet wurden, ohne auch nur die geringste ärztliche Betreuung zu erhalten. Wehe einem Epileptiker, der in einer solchen Situation einen Anfall hatte - aber wer weiß, vielleicht war der Tod ja wirklich besser, als jahrelang in dunklen Verliesen dahin zu vegetieren und schließlich elendlich zugrunde zu gehen.  

 

In Ländern, in denen sich ein islamischer Einfluss geltend machen konnte, ging man etwas anders mit psychisch Kranken um: Im Koran werden nämlich Geistesgestörte als Gottesgesandte bezeichnet. Und deshalb fand man dort andere Therapien: Freundliche Pflege und Mitleid bestimmten dort den Umgang mit Geisteskranken und Epileptikern. So kam es dort auch erstmals bereits im 10. Jahrhundert zur Einrichtung von psychiatrischen Spitälern.

Mit dem Rückzug der Mauren im 11. Jahrhundert aus Spanien kam es aber wieder zum Niedergang der europäischen Medizin; man kann sagen, die Uhren wurden um ca. 1000 Jahre zurückgestellt.

Man begann z.B. im 11. Jahrhundert gegen die Ketzerei und gegen den Satan und seine Verbündeten zu „kämpfen“ und das führte direkt zur später so grausam um sich greifenden Hexenverfolgung. Man warf Katharer, Albigenser, Waldenser, Häretiker, Geisteskranke, psychisch Kranke, Missgestaltete und ungewöhnliche Menschen in einen Topf. Ungezählte psychisch Kranke - und unter ihnen sicher nicht wenige Epileptiker - wurden auf den Scheiterhaufen als angebliche Hexen verbrannt - und das nur, weil die Menschen Angst hatten vor denen, die eben anders waren als sie.

Die Ketzergesetze des 13. Jahrhunderts erlaubten es auch wieder, zur „Behandlung“ von Geisteskrankheiten die Folter anzuwenden (1251, Papst Innozenz IV.). In der Folge wurde die Inquisition zur mächtigsten Macht in Europa. Das Mittelalter kann so als ein Zeitalter des Bessenheitswahns und des Exorzismus bezeichnet werden.

 

Ein Beispiel, wie die allgemeine (kirchlich-inquisitorische) Meinung sich noch in der beginnenden Neuzeit auf Mediziner und auch andere Menschen auswirkte, soll hier genannt werden: Theophrast von Hohenheim, besser bekannt als Paracelsus (1493 –1541)http://de.wikipedia.org/wiki/Paracelsus schrieb anfangs, Geisteskrankheiten seien „natürliche Krankheiten. Narren sind Kranke und unsere Brüder“. Aber später klang das dann ganz anders: „Wirf den Geisteskranken in die äußerste Finsternis, damit er nicht die ganze Stadt, sein Haus und Land mit verführe“, schrieb Paracelsus einige Jahre später.

 

Im Zeitalter d. Aufklärung wurde es für die Geisteskranken zunächst nicht besser, denn nun war man der Ansicht, Geistesstörungen seien Gegenstand philosophischer Betrachtungen, das Irresein wurde somit zum Thema der Philosophischen Fakultäten. Der Grundtenor war: Krankheiten sind Störungen des Verhältnisses zwischen Seele und Welt 

Immanuel Kant (1724-1804)http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant, war der Ansicht, dass der Irre für seine Krankheit selbst verantwortlich sei; er müsse durch den bloßen Willen seiner krankhaften Gefühle Meister werden können.

Die Ärzte der damaligen Zeit hatten also ein religiös-anthropologisches Konzept von psychischen Erkrankungen. Als verantwortlich für die Verursachung von psychischen Erkrankungen sahen sie fehlgeleitete Leidenschaften, Geschlechtslust, Völlerei, Onanie, gesteigerte Leidenschaften und unglückliche Liebe an. Als Behandlung schlugen sie vor: Aufklären, Überzeugen, Trostspenden, Verbesserung der geistigen Haltung und moralischen Einstellung und Erziehung zum guten Menschen. Waren diese Maßnahmen nicht erfolgreich, plädierten sie aber gleichwohl auch für die Anwendung von Zwangsmaßnahmen: Fesseln, Zwangsjacken, Lauftrommeln und Wassergüsse wurden ebenso hemmungslos eingesetzt, wie Brechmittel, eiserne Masken, Mundbirnen, Sturzbäder und das Zufügen von Brandwunden.

Eine Ausnahme in der damaligen Zeit war der italienische Psychiater Chiarugi (1795-1820). Er erkannte, dass seelische Leiden nicht angeboren, sondern zumeist erworben sind und plädierte für die Abschaffung der Gewalt und die Respektierung der Geisteskranken als menschliche Individuen.

Er kann als der erste bezeichnet werden, der zu einem anderen Denken in Bezug auf psychisch Kranke beitrug. Psychische Erkrankungen wurden nun als Folge einer Gehirn- bzw. Körpererkrankung gesehen und man lehnte endlich Brechmittel, Aderlässe, und andere brutale Mittel zur angeblichen „Therapie“ kategorisch ab.

 

 Was die Machthaber im sogenannten „Dritten Reich“ mit

 Geisteskranke  – und eben auch Epileptikern - machten, brauche ich wohl nicht zu sehr auszuführen.

http://www.epilepsiemuseum.de/alt/nszeit.html

http://www.pharmacon.net/geschichte/ns-medizin-01.htm

 http://de.wikipedia.org/wiki/Rassenkunde  

 Man berief sich auf  Charles Dahrwin (1809-1882 ) und sein „Überleben des Stärkeren“, http://de.wikipedia.org/wiki/Napola forderte eine sogenannte Positive Eugenik, d.h. eine Auslese der „Besseren“ u.  „Edleren“ und kam so sehr schnell zur Forderung der Tötung unheilbar Kranker und v.a. Geisteskranker. Man sprach, wenn man von psychisch Kranken sprach von „Ballastexistenzen“ und „Geistig Toten“ und empfahl die Unfruchtbarmachung, d.h. Zwangssterilisation Geisteskranker, Schizophrener, Gemütskranker  und Epileptiker. Ja, man ging so weit, zu sagen, dass die Tötung eines Geisteskranken oder eines unheilbar Kranken doch eine Erlösung sei und sprach vom „Gnadentod“.

http://www.zeig-gesicht.de/index2.php

Dass sich seitdem einiges gebessert hat, das ist unbestritten. Aber genügt es schon?

Wie lange noch werden Behinderte jeder Art und v.a. psychisch Kranke und Epileptiker in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt und geschnitten? 

   https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm-Griesinger-Krankenhaus

   

 

 

 
Der Schwarze Mann
 
wird schwarz geboren,
 
wächst schwarz auf.
 
Wenn er in der Sonne ist, bleibt er schwarz
 
und wenn er stirbt, bleibt er immer noch schwarz;
 
Aber Ich
 
komm rosa zur Welt,
 
wachse weiß auf.
 
Wenn ich krank bin, werd ich grün,
 
in der Sonne werd ich rot.
 
Wenn ich friere, werd ich blau.
 
Wenn ich sterbe, bin ich bleich.
 
UND wir nennen IHN EINEN FARBIGEN!?
 
 

 

 


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